Virtueller Austausch

Die Schüler:innen treffen sich online, um einen persönlichen Austausch vorzubereiten oder an einem komplett digitalen Projekt zu arbeiten.

Steckbrief

  • Format: Online
  • Für wen: Primarstufe bis Sekundarstufe II
  • Dauer: Je nach Projekt und Zweck
  • Mehrwert: Es ermöglicht ein Treffen ohne Ortsverschiebung und fördert Medienkompetenzen.

Praxisbeispiel

Der digitale Austausch

Das Prinzip

Ein digitaler Austausch ermöglicht es zwei Klassen, mithilfe digitaler Tools aus der Ferne zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. E-Mails, Nachrichten, Videos, Audiodateien, gemeinsam genutzte Dokumente oder Videokonferenzen: Die Möglichkeiten sind vielfältig und können je nach Projektzielen kombiniert werden. Plattformen wie Isyflow können insbesondere die Organisation und Begleitung des Austauschs zwischen den Klassen erleichtern.

Der digitale Austausch kann ein eigenständiges Projekt sein, er eignet sich aber auch besonders gut zur Vor- oder Nachbereitung eines persönlichen Treffens. So können sich die Schüler:innen schon vor dem Treffen kennenlernen, gemeinsam Aktivitäten durchführen oder den Austausch nach einem Besuch fortsetzen. Die Entfernung steht also Begegnungen und der Zusammenarbeit zwischen Schülern:innen aus verschiedenen Sprachregionen oder Ländern nicht im Weg.

Dieses Format ermöglicht es, eine Fremdsprache in authentischen Situationen zu üben. Die Schüler:innen müssen Wege finden, sich zu verständigen und entwickeln so gleichzeitig ihre sprachlichen, digitalen und interkulturellen Kompetenzen.

Aus der Praxis: ein virtuelles Projekt zwischen der Schweiz und Indien

Beckenried – Indien: 17 virtuelle Treffen zu verschiedenen Themen

An der Sekundarschule ORS in Beckenried (NW) organisierte Bettina Caprez einen virtuellen Austausch zwischen ihrer 11. Klasse und einer Partnerklasse in Indien. Insgesamt trafen sich die Schüler:innen im Rahmen von 17 virtuellen Sitzungen, die über das Schuljahr verteilt waren..

Das Projekt entstand aus der Neugier der Lehrerin selbst. Auf der Suche nach einer Partnerschaft auf «match&move» stiess sie auf eine Anzeige aus Indien. Die Idee eines solchen Austauschs gefiel ihr sofort, vor allem, weil sie ihren Schüler:innen so eine Kultur näherbringen konnte, die sie selbst noch kaum kannte.

Die verschiedenen Treffen waren unterschiedlichen Themen gewidmet. Die Schüler:innen führten beispielsweise Aktivitäten rund um Kunst, Gesang, Tanz oder Basteln durch. Bettina Caprez bezog ihre Schüler:innen in die Vorbereitung der Sitzungen mit ein: Wenn ein neues Thema geplant war, konnten sich kleine Gruppen freiwillig melden, um einen Teil des Treffens vorzubereiten und zu präsentieren. Für bestimmte Aktivitäten zog die Lehrerin auch ihre Fachkolleg:innen hinzu. Die während des Austauschs entstandenen Arbeiten wurden anschliessend in den Schulkorridoren ausgestellt, sodass das Projekt mit dem Rest der Schule geteilt werden konnte.

Der Fernunterricht erforderte zudem eine gewisse Flexibilität. Da sich die Schulorganisationen in der Schweiz und in Indien unterscheiden, brauchte die Zusammenarbeit mit der Partnerlehrerin eine Anpassungsphase, bevor sie ihren eigenen Rhythmus fand. Auch technische Probleme gehörten zu dieser Erfahrung dazu. Selbst bei vertrauten Tools wie Teams können eine instabile Verbindung oder ein technisches Problem ein Treffen schnell stören. Genügend Zeit einzuplanen und zu akzeptieren, dass eine Sitzung nicht immer wie geplant verläuft, gehört daher zur Vorbereitung.

Der virtuelle Austausch bot den Schüler:innen zahlreiche Gelegenheiten, auf Englisch zu kommunizieren. Sie entdeckten eine andere Art, die Sprache zu üben, und mussten Strategien entwickeln, um sich zu verständigen, wenn ihnen ein Wort fehlte. Wenn man beispielsweise dem Partner oder der Partnerin live ein Rezept erklären muss, ist es nicht immer möglich, in Ruhe ein Wort im Wörterbuch nachzuschlagen. Selbst die zurückhaltendsten Schüler:innen wurden so dazu angeregt, das Wort zu ergreifen und den Mut zur Kommunikation aufzubringen.

Nach dem Austausch

Ein digitaler Austausch ermöglicht es, Kontakte zu knüpfen, die in Form eines persönlichen Treffens manchmal schwer zu organisieren wären. Er kann Klassen zusammenbringen, die weit voneinander entfernt sind oder eine Zusammenarbeit über einen längeren Zeitraum hinweg aufrechterhalten, ohne dass Reisen erforderlich sind.

Nach Abschluss des Projekts können die Klassen den Austausch aus der Ferne fortsetzen oder die geknüpften Kontakte als Ausgangspunkt für eine neue Zusammenarbeit nutzen. Der digitale Austausch kann so zu einem Sprungbrett für persönliche Begegnungen werden oder als eigenständige Form des Austauschs bestehen bleiben.

 

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